„Schluss, Aus, Ende. Ich habe einfach keine Lust mehr.“

Oder: Wenn das beste System zum falschen Zeitpunkt kommt!
Für den Personaler eine große Entlastung, für den Bewerber oftmals ein nerviger Zwischenschritt – das BMS. Gemeint ist das Bewerbermanagementsystem, das zunächst mal allen Beteiligten helfen sollte, den Bewerbungsprozess schnell und einfach zu organisieren.

von Michael Kruse 31. Januar 2018

Ein scheinbar widersprüchliches Phänomen: Wir haben für die ausgeschriebene Position eine super Reichweite erzielt, erfreulich viele Anzeigenklicks werden registriert. Im Gespräch mit dem Recruiter dämpft sich die Euphorie: Schwacher Bewerberzulauf, es muss erneut ausgeschrieben werden. Ähnliches Ergebnis, wir forschen nach. Die Klicks auf den betroffenen Karriereseiten sind mit der Anzeigenveröffentlichung analog angestiegen, es gibt offensichtlich interessierte User. Wir machen den Selbsttest und bewerben uns beim Auftraggeber.

Das Nadelöhr.

Es ist unsere erste Bewerbung beim Unternehmen, wir müssen uns registrieren. Der Zugangslink wird separat verschickt, der private Mailaccount muss geöffnet werden. Kann aus unterschiedlichen Gründen etwas dauern… (… derweil schaut man sich noch andere Anzeigen an). Der Link ist da, eine neue Begrüßungsmaske baut sich auf. Nochmals anmelden, Job-ID eingeben. Neue Seite baut sich auf. „Persönliche Daten“ sind jetzt erforderlich. Dann Hinweis wegen diverser Anhangformate. Du ahnst, was folgt. Weitere Standardmasken, einmal verabschiedet sich der Cursor, ein anderes Mal grüßt die 404. Es kostet Zeit, es nervt.

Eigentlich.

Wollten wir uns auf eine hochinteressante Position bewerben. Wir sind im Job absolute Profis, technisch versiert, haben alle Bewerberdaten parat. Aber auf der anderen Seite erwartet den Kandidaten nun was? One-Stop-Shopping? Authentifizierung? Ein System mit Tücken und Schneckentempo?

Und jetzt umgekehrt - stell‘ dir bitte das vor:

Das macht unser Kandidat heute zum sechsten Mal. Einmal fluppte es geschmeidig, dann aber konnte kein Anhang mitgeschickt werden. Einmal kam kein Registrierungslink, die letzten beiden Male konnte er beim Aufbau diverser Masken mit seinem 10.000-Teile-Puzzle abschließen. Er hat jetzt keine Lust mehr. Egal, wie gut das BMS heute drauf ist – „der Idealkandidat“ hat sich eben heute schon viermal den Frust geholt.

Eine Lösung aus Personalersicht
(eventuell nicht ganz leicht umzusetzen…):

Die mobile Bewerbung, bevorzugt als One-Click-Bewerbung mit Zugriff auf ein mobil verfügbares Profil bei XING oder LinkedIn. Über die Hälfte alle Nutzer dieser Netzwerke würde sich am liebsten direkt mit den hinterlegten Profildaten beim Arbeitgeber bewerben. Das gelingt mit einem einzigen Klick: Wenn der Empfänger es ermöglicht! In der jungen Zielgruppe (U 30) ist dieser Wunsch noch stärker ausgeprägt, dort sind es rund 62 Prozent, die diesen effizienten Weg wählen würden.

Die Lösung aus der Kandidatensicht
(leider ganz leicht umzusetzen).

Der gute Kandidat hat stets gute Alternativen (siehe hierzu auch: Das Nadelöhr). Täglich gehen rund 50.000 neue Stellenanzeigen live. Sein digitaler Jobagent schickt ihm realtime und vorgefiltert die attraktivsten Angebote direkt aufs Handy. Er prüft, vergleicht, sortiert. Konzentriert sich auf die passenden Ausschreibungen. Und auf die funktionierenden: Er ist auf die schwankende Tagesform eines BMS einfach nicht angewiesen – es gibt für ihn Angebote genug. Da will er einfach nicht mehr als zehn Minuten in die digitale Bewerbung investieren: 31 Prozent der Bewerber erwarten das, 54 Prozent der Bewerber erhoffen sich das*. Wenn schon keine One-Click-Bewerbung, dann ist dies die Zeitvorgabe für einen wettbewerbsfähigen Bewerberprozess über ein BMS.

Die Soforthilfe.

1. Gib in der Anzeige eine Zeitvorgabe (nur eine Minute, nur zwei Slides...)

2. Wiederhole diese Aussage beim Einstieg ins BMS idealerweise kombiniert mit einem Bewerberzitat (… Und dann geht es Ihnen wie Max Muster: Die kürzeste Bewerbung ever…)

3. Das System darf nicht der „Dealbreaker“ sein! Also biete eine direkte Kontaktaufnahme per Mail oder Callback, öffne auch Social Media-Kanäle (Stichwort: One-Click-Bewerbungen).

Fazit.

Schlimm ist, wenn ein Talent verloren geht, nur weil der Kontakt abbricht. Und ganz schlimm wäre, würde man dieses Talent an den Hauptkonkurrenten verlieren - wegen des BMS. Das doch eigentlich angeschafft wurde, um die guten Kandidaten rasch für uns zu gewinnen...

*“Bewerbererwartungen“
Umfrage bzgl. der ersten Phasen in der Candidate Journey, meta HR-Studie, 2017