Gute Jobbörsen, schlechte Jobbörsen

„Wir würden gerne mal andere, neue Wege gehen, andere Jobbörsen als sonst buchen. Was ist denn bspw. mit dem Stellenmarkt der FAZ oder der sueddeutsche.de? Diese Jobbörsen haben Sie uns noch nie angeboten.“ Diese Frage stellte mir in einem unserer Anzeigen-Workshops eine junge Referentin, was ich zum Anlass genommen habe, um zu erklären, wie das Haus der Wertarbeit zu seinen Schaltempfehlungen kommt.

von Patrick Gilles 23. März 2018

"Big data" statt Bauchgefühl.

Wir überprüfen und „monitoren“ alleine in Deutschland etwa 220 Jobbörsen und aktualisieren jeden Monat deren Reichweitendaten, die Wettbewerbsintensität (Anzahl Anzeigen in den verschiedenen Berufsgruppen) und ziehen historische und aktuelle Conversion Rates der veröffentlichten Anzeigen hinzu, um aus allen diesen Daten Indizes zu errechnen, die uns Auskunft geben über die Eignung einer Jobbörse zur Besetzung einer konkreten Berufsgruppe. Das allgegenwärtige Stichwort dazu lautet: Big Data.
 

Kostenlos, aber alles andere als umsonst.

Damit Du selbst die „wirkungsstarken“ von den eher „flauen“ Plattformen unterscheiden kannst, zeige ich Dir heute einen kostenlosen Weg, wie Du selbst die wichtigsten Kennzahlen erheben und somit Portale untereinander bewerten kannst. So lassen sich auch schnell die vermeintlichen Schnäppchenangebote einmal kritisch hinterfragen. Denn da bekommst Du oft viele Jobbörsen umsonst, aber nicht kostenlos.

Die „beste“ Jobbörse.

Ein Indikator, wie beliebt Content und Angebot einer Jobbörse sind, sind die monatlichen Besucherzahlen – die Reichweiten der Jobbörsen. Similarweb.com ist immer meine erste Anlaufstelle, wenn ich eine neue Jobbörse „entdecke“ oder ein Kunde mich auf seine Entdeckung aufmerksam macht. SimilarWeb.com ist ein Tool zur Wettbewerbs-Analyse. Gibt man eine Domain ein, werden die Daten zu der eingegebenen Website ausgegeben. Die Daten-Arten ähneln denen eines Web-Analyse-Tools wie z.B. Google Analytics. So bekommt man schön aufbereitet eine Übersicht der monatlichen Besucherzahlen in der zeitlichen Entwicklung, die Traffic-Verteilung auf Kanäle wie Search, Direct, Social, Mail. Sogar die geografische Verteilung der Website-Besucher oder die relevantesten sozialen Medien und Verlinkungen werden angegeben. Über SimilarWeb gewinnen wir also reichlich Informationen über die monatliche Reichweite und über die Online-Strategie einer Jobbörse. Die wichtigste Zahl für uns ist aber erst einmal nur die Anzahl monatlichen Visits, um mehr über Beliebtheit und Akzeptanz einer Jobbörse zu erfahren.
 

www.similarweb.com


Apfel und Birne: Beides Obst und doch nicht gleich.

Bei diesen Vergleichen darf man aber nie Äpfel mit Birnen vergleichen: Ein auf definierte Zielgruppen spezialisiertes Nischenportal wird niemals die enormen Reichweiten einer generalistischen Jobbörse erreichen. Für naturwissenschaftliche Zielgruppen gibt es bspw. das spezialisierte Portal Jobvector.de, das man nicht unmittelbar mit einem Generalisten, wie z.B. Monster.de, vergleichen kann, die wiederum Kandidaten von vielen verschiedenen Berufsgruppen anziehen. Ein direkter Vergleich der absoluten Reichweitendaten wäre „unfair“, da methodisch einfach irreführend. Doch, wie hoch ist denn nun der Anteil einer bestimmten Berufsgruppe bei einem Generalisten wie Monster.de? Um den Anteil der Ingenieure bei Monster.de wenigsten einigermaßen abschätzen zu können, helfen uns die Nutzerstrukturen der Jobbörse weiter. Die meisten Jobbörsen kommunizieren die Nutzerstrukturen in ihren Mediadaten, welche man sich von der Website herunterladen kann – meist in einem Arbeitgeber-Bereich. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Monster gibt an, dass 14% der Nutzer zum Bereich ‚Ingenieure / technische Berufe‘ gehören, also: 579.600 User kommen bei Monster aus diesem Berufsfeld. Bei jobvector.de lassen sich 92.600 Ingenieure/Techniker aus der gesamten monatlichen Reichweite von 289.400 Usern errechnen. Monster.de hat also sechsmal mehr Techniker/Ingenieure als Jobvector.de. Klar, wo wir unsere Anzeige platzieren werden – oder doch (noch) nicht?

Wenn weniger mehr ist.

Nach den Reichweiten-Daten ist Monster der klare, weil absolute, Sieger. Und Reichweiten ist das liebste, was Jobbörsen gerne kommunizieren. Wer am meisten hat, ist folgerichtig auch die beste Jobbörse. Uns sollte aber trotzdem interessieren, ob das Verhältnis zwischen den monatlich zu erreichenden Kandidaten auf einer Jobbörse und der Anzahl an geschalteten Anzeigen noch „gesund“ ist? Macht es denn überhaupt noch Sinn, meine einzelne Anzeige zusätzlich zu den vielleicht tausenden Wettbewerbsanzeigen dort zu veröffentlichen? Leider kommunizieren viele Jobbörsen gerade diesen wichtigen Indikator nur ungern und verhalten sich nicht wirklich transparent. Zugegeben: Profi-Datenbanken helfen da natürlich ungemein, da alle diese Informationen auf Knopfdruck vorliegen. Mit einem bisschen zeitlichen Aufwand kann man diese Daten auch völlig kostenlos recherchieren: Mit dem Jobturbo (jobturbo.de) bspw. lassen sich schnell die Anzahl der veröffentlichten Anzeigen der größten und wichtigsten Plattformen recherchieren. Für den Bereich Ingenieure sind bei Monster.de über 7.000 Anzeigen veröffentlicht. Sprich: Das Verhältnis von (Ingenieurs-) Besucher zu (Ingenieurs-) Anzeigen entspricht bei Monster 81,93. Je höher diese Verhältniszahl, desto besser ist das für unsere Anzeige (desto mehr Besucher können auf unserer Anzeige erwartet werden).
 

www.jobturbo.de
 

Bei jobvector haben wir Glück und die Jobbörse kommuniziert die Anzahl der gefundenen Anzeigen aus dem Bereich Ingenieure und Techniker: 1.010 Anzeigen sind dort aktuell veröffentlicht. Das Verhältnis Reichweite zu Anzahl der Anzeige ist bei Jobvector.de: 91,68. Und siehe da: Jobvector hat zwar sechsmal weniger Ingenieurtraffic, aber dafür eine leicht bessere Reichweiten-Anzeigen-Ratio. Damit empfiehlt sich Jobvector.de als zusätzliche Jobbörse im Rahmen einer Paketschaltung.

Neue Wege = Umwege?

Um auf die Frage der Personalreferentin vom Beginn des Artikels zurückzukommen: Die FAZ erreicht mit ihrem Nachrichtenportal knapp 35 Millionen User pro Monat – eine enorme Reichweite. Aber man darf sich davon nicht beeindrucken lassen: In erster Linie ist die FAZ eben ein Nachrichtenportal und spricht die Mehrzahl der User über deren Informationswünsche (Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport) an. Wenn wir uns dagegen den Stellenmarkt der FAZ (https://stellenmarkt.faz.net/) einmal genauer ansehen, dann sind es gerade noch knapp 91.200 User, die den Stellenmarkt besuchen und aktiv nach einem Job (über die FAZ) suchen. Keine guten Voraussetzungen für die Anzeigen, die uns unsere Kunden anvertrauen, zumal der Wettbewerb (Anzahl geschalteter Anzeige) gleichfalls recht hoch ist (ca. 10.000 Anzeigen pro Monat). Da wir selbst keiner Jobbörse verpflichtet sind und wir keine Mengenbindungen beim Schalten von Anzeigen haben, sei dieser anschließende Hinweis erlaubt: Unsere Schaltempfehlungen basieren immer auf Big Data und sind frei von „Bauchgefühlen“ – dahinter steckt nur ein kühler Kopf…