New Work: Und plötzlich hat die Schnittstelle einen Vornamen und ein Tattoo.

„Nur weil Google es macht, muss das nicht der richtige Weg für uns sein“. So urteilte Dieter May, Digitalchef von BMW, über die kooperativen, flexibleren Arbeitsstrukturen, die sich unter dem Sammelbegriff „New Work“ etablieren. Oje: Google versus BMW. Hängen wir das Thema einfach etwas niedriger – und machen wir es konkret.

von Michael Kruse 5. September 2018

Die besondere Begegnung.

Wir treffen uns mit unserem Auftraggeber. Ein wirklich erfolgreiches StartUp, exzellente Kennzahlen, hervorragend positioniert und mittlerweile übernommen vom größten europäischen Player in seiner Branche. Kennzeichnend für diesen Arbeitgeber übrigens: Das hohe Maß an Selbstbestimmung und Eigenorganisation bei den Mitarbeitern. Die permanente Aufforderung „weiter zu denken“. Die völlig offene, interdisziplinäre Werkbank-Struktur in den Projekten. Das aktuelle Zwischenergebnis: Top-Arbeitgeber 2018 mit Spitzenplatz im Branchenranking der IZ. Das Besondere bei diesem Treffen: Wir treffen uns „after work“, in Berlin, bei Bier und Barbecue. Wir treffen uns gemeinsam mit den anderen Agenturen, die das Unternehmen beschäftigt. Wir treffen uns mit ihnen, weil unser aller Auftraggeber auch seine Dienstleister „interdisziplinär“ an die gemeinsame Werkbank bittet.

Die persönliche Empfindung.

„Wir brauchen keine großen Agenturen. Wir brauchen keine Hauptstadt-Agenturen. Wir brauchen nur die Besten.“ So eröffnet der Gastgeber und öffnet damit schon die Herzen. „Wir bedanken uns für das Geleistete und freuen uns auf das vor uns Liegende – denn Sie sind alle ein Teil davon.“ Mit wenigen weiteren Worten bricht er das skeptische Eis der Agenturleute.

Danach ergeben sich die Gespräche beinahe von selbst: einige Mitarbeiter steuern ihre Zukunftsthemen in die quatschenden Kleingruppen, verkuppeln gezielt die für Neuprojekte benötigten Berater aus unterschiedlichsten Disziplinen. Über die angedeutete Zukunft finden wir wiederum zu schwelenden Fragen im Tagesgeschäft: „Sag‘ mal, wie macht ihr das im Moment (z.B. New Business über Newsletter…), habt ihr Stress damit (z.B. DSGVO…), wie geht ihr damit um (z.B. Rechtsberatung über den Verband…).“

Immer wieder habe ich das Gefühl: so kann man auch an der Lösung arbeiten, diese Idee hätte ich auch gerne gehabt, diese Info hilft uns in einer ähnlichen Problematik, dieses Gespräch müssen wir unbedingt weiterführen, dieser Kontakt ist wichtig…. Eine sehr spezifische Form von Brainstorming und Networking erlebe ich an diesem Abend: produktiv, pragmatisch, persönlich bereichernd.

Die alleinerziehende Schnittstelle.

Zwischen Mojito eins und zwei erfahre ich dann, dass meine Gesprächspartnerin unser Messe-Konzept in hochkomplexen ppt-Präsentationen über mehrere Flatscreens am Stand emotionalisiert. Hier ist also die durchaus farbenfrohe (siehe auch Blog-Headline!) „Schnittstelle“ zwischen unseren konzeptionellen Vorarbeiten und der operativen Umsetzung im Kommunikationsalltag. Darüber hinaus arbeitet sie schon an einer VR-Umsetzung, was wiederum neue mediale Kanäle eröffnet und von uns einen anderen Input erfordert: „… ja, wir mailen häufiger. Ich bin genau die Anna, und bekomme von Euch dann die hochauflösenden Daten. Wenn ihr für das VR-Projekt mal dran denkt, dass wir dann insbesondere in den großen Räumen mit 360°-Aufnahmen.… “ Gleichzeitig bekomme ich eine zweite Mailadresse, weil sie auch im Homeoffice arbeitet, wegen Kind usw. Das Konzept mit der VR-Idee geht mir die ganze Nacht nicht mehr aus dem Kopf. Anna, „die Schnittstelle“, schneidet nichts ab und nimmt uns nichts weg. Im Gegenteil: Ihre Gedanken bereichern uns, geben mir etwas mit, woran ich noch nicht gedacht hatte.

Das persönliche Fazit.

Ein toller Abend. Wegen „New Work“? Könnte es vielleicht doch der richtige Weg sein, gerade weil es eben Google macht? Unabhängig davon, ob ein eindimensionales „richtig“ oder „falsch“ überhaupt ein Bewertungsmaßstab für das sogenannte neue Arbeiten sein kann – es ist mit Sicherheit der sinnvollere Weg, die beratenden und kreativen Dienstleister aktiver einzubinden, sie zu vernetzen, sie in ihrem Tun zu fördern und zu bestärken. Neue Lösungen, kraftvolle Maßnahmen, kreative Ideen werden sprudeln. Voraussetzung: Die Dienstleister des Auftraggebers verstehen sich als Partner und nicht als Wettbewerber beim Kunden.

New Work heißt für mich auch: Agenturen eines Kunden, vereinigt euch! Die Ergebnisse werden es danken, der Customer Lifecycle euch bestärken.