Der richtige Umgang mit Bewertungsportalen

Hast Du neulich in einem Online-Shop Deiner Wahl etwas bestellt? Eine App heruntergeladen oder eine Reise gebucht? Welche Rolle spielten dabei für Dich persönlich die Sterne, Sonnen oder Punkte, die andere vor Dir für das Produkt oder den Service vergeben haben? Das ist für Dich nicht relevant? Dann gehörst Du zu einer kleinen Minderheit, für die Bewertungen keine Rolle spielen.

von Antje Apitz 6. März 2018

Für die Mehrheit der Menschen ist die Kundenbewertung nach dem Preis das wichtigste Kriterium, das den Ausschlag für oder gegen einen Kauf gibt. Je jünger der Käufer, desto wichtiger. Das Vertrauen in echte und ehrliche (!!!) Bewertungen fremder Menschen hat in den vergangenen Jahren aber nicht nur im Produktmarketing einen immer höheren Stellenwert erhalten - auch in der Arbeitswelt. Neben der "Eigendarstellung eines Arbeitgebers" auf den Arbeitgeber-Karriereseiten spielt für Kandidaten die Meinung der aktuellen, aber auch ehemaligen Mitarbeiter eine wichtige Rolle. Diese Informationen holen sich Bewerber über das eigene Netzwerk ein, recherchieren über die sozialen Medien oder nutzen Arbeitgeberbewertungsportale wie z.B. kununu, meinchef & glassdoor.

Mit diesen fünf "goldenen Regeln" gehst Du souverän mit kununu & Co. um.

1. Ignorieren gilt nicht!

"Wir haben sowieso nur drei Bewertungen", "Da treffen sich ohnehin nur die Frustrierten", "Spielt für uns keine Rolle!": Du wirst sicher ganz anders denken, wenn Du wüsstest, wie viele potenzielle Bewerber Du aufgrund einer einzelnen negativen, unkommentierten Bewertung verloren hast. Stell Dir ein Fußballstadion vor, in dem viele tausend interessierte Zuschauer sitzen, denen drei Menschen mit Megaphon von den Vor- und Nachteilen des Arbeitgebers erzählen. Halt die für Dich relevanten Plattformen im Auge, denn die Bewertung vermeiden kannst Du nicht.

2. Authentizität ist Pflicht.

Vermeide in jedem Fall die "Manipulation" der eigenen Mitarbeiter zu positiven Bewertungen oder das Überreden zu Fake-Bewertungen. Diese werden in Zeiten von Social Media in jedem Fall entlarvt und kommen als Bumerang mit Image-Einbußen zurück. Das heißt allerdings nicht, dass man die Kollegen nicht zu Bewertungen aufrufen kann. Hier gilt: Nichts erzwingen und Raum für die individuelle Meinung der Mitarbeiter lassen.

3. Dialog auf Augenhöhe.

Nutze die Möglichkeiten, die Dir die Plattformen bieten, ob Kommentarfunktion oder direkter Austausch, und tritt in einen konstruktiven Dialog mit Bewerbern, Mitarbeitern und Kandidaten. Versteh dabei diese Plattformen als themenspezifischen HR-Social Media-Kanal, auf dem Du Dich als offener Gesprächspartner präsentierst, der sich sachlich und wertschätzend mit Kritik auseinandersetzt.

4. Das Positive im Negativen.

Mit zunehmender Anzahl an Bewertungen gewinnen Aussagen und Meinungen an Relevanz für Deine HR-Arbeit. Kritische Meinungen werden kaum zu vermeiden sein. Entdecke in vermeintlich negativen Bewertungen Verbesserungspotenziale, sieh diese als Chance und nutze diese. Veränderungen postest Du dann wieder über die Kommentarfunktion.

5. Proaktives Employer Branding

Gestalte das Bild über Dich als Arbeitgeber proaktiv mit, statt nur zu reagieren. Präsentiere Dich als glaubwürdigen Arbeitgeber (auch auf diesen Plattformen), sei transparent und informativ und mach Deine Mitarbeiter zu "Arbeitgeber"-Markenbotschaftern.

Zwar sind Plattformen wie kununu, meinchef & glassdoor bisher nur für rund die Hälfte von potenziellen Bewerbern relevant (vgl. aktuelle Studie von Softgarden), aber dort gehört dies zum festen Bestandteil bei der Entscheidungsfindung für einen neuen Arbeitgeber. In den kommenden Jahren wird diese knappe Minderheit weiterwachsen und sich zur Mehrheit entwickeln. Potenzial, das Du nicht unterschätzen solltest.

 

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